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Stromnetze für die Energiewende – leistungsfähig und bezahlbar?

Unter dem Titel „Stromnetze für die Energiewende – leistungsfähig und bezahlbar?“ informierten sich die CSU-Arbeitskreise Energiewende (AKE) und Umwelt (AKU) in der Dachauer Schaltzentrale von TenneT und Bayernwerk über aktuelle Entwicklungen beim Netzausbau und Netzmanagement in Bayern und Deutschland. 


Die Besucher – angeführt von Prof. Dr. Angelika Niebler (MdEP) – zeigten sich beeindruckt von den technischen Möglichkeiten der Schaltzentralen. Aber auch die Herausforderungen, die den Netzbetreibern durch die Energiewende gestellt werden, beeindruckten die Besucher. So sind nach Angabe von Dr. Egon Westphal (CEO) im Bereich des Bayernwerks mit über 500.000 Anlagen mehr als 10 % aller Photovoltaik-Anlagen der Welt angeschlossen.  Über 80.000 davon müssen im Einspeisemanagement zentral angesteuert werden. Bayern sei das größte Versuchslabor für dezentrale Stromerzeugung in der Welt, erläuterte Westphal. 

Dr. Angelika Niebler, MdEP

Besichtigung der Schaltzentralen von TenneT und Bayernwerk

Thorsten Dietz (Direktor Gleichstromprojekte) berichtete, dass an 362 Tagen des Jahres sogenannte Redispatch-Maßnahmen notwendig seien. Hierbei werden u.a. Kraftwerke ab- bzw. zugeschaltet, um das Netz zu stabilisieren. Die Kosten dafür liegen im Bereich von 4 Mrd. EUR im Jahr. Diese werden über die Netzentgelte auf die Verbraucher umgelegt. Ursache dafür seien neben der wetterabhängigen Leistung von Wind- und PV-Anlagen auch deren unterschiedliche geografische Verteilung wie die Windkraft im Norden und die PV im Süden. Es fehlen vor allem Übertragungsleitungen. Hier werde aber – nach jahrelangen Verzögerungen durch überlange Planungsprozesse und zahlreiche Einsprüche – jetzt richtig angegriffen. Die meisten Baumaßnahmen seien in Gang, und auch die Akzeptanz in der Bevölkerung habe mittlerweile spürbar zugenommen. Die Investitionskosten seien hoch, aber im Gegenzug versprach Dietz nach Abschluss der Projekte eine deutliche Einsparung an Redispatch-Kosten. 

Diskussion zu Stromnetze und Netzausbau

Nach der Besichtigung der Schaltzentralen versammelten sich die Teilnehmer zu einer Podiumsdiskussion mit Prof. Angelika Niebler, Dr. Egon Westphal, Thorsten Dietz und Maximilian Frhr. v. Seckendorff, dem Landesvorsitzenden des AKE, im Restaurant „La Bodega“. Nach einleitenden Worten von Dr. Andreas Lenz (MdB) wurde die Diskussion von Bernhard Seidenath (MdL) moderiert. Im Mittelpunkt stand angesichts der bevorstehenden Europawahl insbesondere die Rolle „Brüssels“ bei den Regeln für Energiewende und Netzausbau. Nach Meinung vieler Diskutanten gebe es auf allen Ebenen immer noch zu viele bürokratische Hemmnisse. Beispielsweise beim Thema „Unbundling“, der wirtschaftliche Trennung von Erzeugung und Verteilung, seien die Regeln in Deutschland besonders ineffizient – andere EU-Staaten agierten hier wesentlich pragmatischer. V. Seckendorff forderte für die Energiewende ein integriertes Gesamtkonzept von Stromerzeugung, Netzausbau und Speicherung, bei dem auch die Anforderungen aus der Sektorenkopplung (Wärme und Mobilität) berücksichtigt werden müssten.

Diskussionsteilnehmer:

Mit dem Versprechen Prof. Nieblers, die angesprochenen Probleme und die vielen guten Ideen aus der Diskussion in ihre Arbeit einzubringen, endete die Versammlung.

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