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Ein Kernkraftwerk

Stresstest – Kernkraft oder Kohle?

Am 5. September hat Bundesminister Habeck die Ergebnisse des „Zweiten Netzstresstests“ der vier Übertragungsnetzbetreiber vorgestellt. Dieser Stresstest macht deutlich, dass „stundenweise krisenhafte Situationen im Stromsystem im Winter 2022/23 zwar sehr unwahrscheinlich sind, aber aktuell nicht ausgeschlossen werden können.“ Also Konsequenz beabsichtigt der Minister, die beiden süddeutschen Atomkraftwerke Isar 2 und Neckarwestheim noch bis Mitte April 2023 zur Verfügung (Reserve) stehen sollen.

Kritiker bezweifeln die Machbarkeit und die Wirksamkeit dieser geplanten Maßnahme und weisen auf die Kosten hin.

Konkrete Ergebnisse des Stresstestes

Anlass für diesen zweiten „Stresstest“ waren u.a. der russische Angriffskrieg in der Ukraine, das Niedrigwasser in den Flüssen auf Grund der Dürre und der Ausfall von französischen Kernkraftwerken. Insbesondere stand die Stromnetzsituation in Mitteleuropa und weitere Unsicherheitsfaktoren im Blickpunkt. Hierzu wurden drei Szenarien untersucht.

Zur Netzsicherheit führen die vier Übertragungsnetzbetreiber aus: „Zum Management von Netzengpässen reichen die inländischen Redispatch-Potenziale in keinem der drei Szenarien aus. Es wird mindestens 5,8 GW gesichertes Potenzial im Ausland benötigt, davon werden 1,5 GW über eine Redispatch-Kooperation mit AT vorgehalten. Darüber hinaus werden derzeit rund 1,6 GW kontrahiert (Ergebnis der Bedarfsanalyse 2022, aktuell laufendes Interessenbekundungsverfahren).
Dabei ist die tatsächliche Verfügbarkeit dieser Mengen aufgrund der in ganz Europa angespannten Versorgungslage unsicher.“

Entscheidung der Bundesregierung

Aufgrund des vorgelegten Stresstestes erklärt Habeck: „Die Ergebnisse des Stresstests bedeuten aber auch, dass wir zur Absicherung für den Notfall für den Winter 22/23 eine neue zeitlich und inhaltlich begrenzte AKW-Einsatzreserve aus den beiden südlichen Atomkraftwerken Isar 2 und Neckarwestheim schaffen. Die beiden AKW Isar 2 und Neckarwestheim sollen bis Mitte April 2023 noch zur Verfügung stehen, um falls nötig, über den Winter einen zusätzlichen Beitrag im Stromnetz in Süddeutschland 2022/23 leisten zu können.“ Dies bedeutet, dass die Bundesregierung möglichst bis Ende dieses Jahres entscheiden will, ob und ggf. wann die beiden Kernkraftwerke aus der „Kaltreserve“ (Betriebsbereitschaft) genommen und den Betrieb für eine Notsituation für eine gewisse Zeit aufnehmen sollen.

Die Kosten dieser Betriebsbereitschaft werden vom Bund in Millionenhöhe erstattet. Für den Winter 2023/24 wird mit einer deutlich größeren Verfügbarkeit von Gaskraftwerken gerechnet, da dann LNG-Terminals für Gasimporte zur Verfügung stehen.

Reaktionen auf die Kaltreserve zweier AKW´s

Der Betreiber von Isar 2 erklärte nach Habecks Entscheidung, dass aus seiner Sicht diese „Bereitschaft“ nicht durchführbar sei. Zudem gibt es noch keine gesicherten Erkenntnisse über die damit verbundenen Risiken.

Jens Spahn, äußerte sich kritisch zu Habecks Ankündigung. „Diese drei Kernkraftwerke könnten in dieser Krise sicher, verlässlich und bezahlbar Energie, Strom für Deutschland liefern. Und das sollten sie auch mindestens noch in den nächsten zwei Wintern tun“.

In eine ähnliche Richtung argumentiert auch die Wirtschaftsweise Veronika Grimm im ZDF: „Vor allen Dingen, weil wir auf diese Art ja die Kosten haben, die Kraftwerke zu verlängern. Aber wir haben gar nicht den Nutzen, nämlich dass sie billigen Strom produzieren, der dazu beitragen würde, dass die Strompreise auch niedrig bleiben.“


Meinung

Wesentliche Grundlage für Klimaschutz ist es, möglichst keine fossilen Energien mehr zu verbrennen. Insofern würde ein Weiterbetrieb der drei noch aktiven Kernkraftwerke bis Mitte 2024 eine Menge an Kohle und damit CO2 einsparen. Die CO2-Belastung würde sich um einige Zehnmillion Tonnen verkleinern. Auch diese Risiken für den Klimawandel müssen betrachtet werden – sie sind real!

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