You are currently viewing Biomassestrategie – aktueller Entwurf

Biomassestrategie – aktueller Entwurf

In einem Eckpunktepapier stellte die Bundesregierung im Herbst 2022 ihre „Nationale Biomassestrategie“ (NABIS) in Grundzügen und als Diskussionspapier vor. Einleitend heißt es: „Die nachhaltige Erzeugung und Nutzung von Biomasse kann als Baustein für die notwendige Transformation unseres Wirtschaftssystems dienen und langfristig zum Erreichen der Klimaschutz- und Biodiversitätsziele sowie der Energiewende beitragen. Schon heute wird Biomasse sektorübergreifend stofflich und energetisch genutzt, jedoch ohne übergeordnete Steuerungsmechanismen für die Lenkung dieser begrenzt verfügbaren Ressource.“ 

Aktueller Entwurf der Biomassestrategie geleakt 

Eigentlich war geplant, dass die NABIS bereits im Herbst 2023 verabschiedet werden soll. So war es nicht verwunderlich, dass Anfang Februar dieses Jahres ein Entwurf, der von den drei Ministerien BMWK, BMEL und BMUV erarbeitet werden soll, an die Presse gelangte

In der Folge entstand eine kontroverse Diskussion über diesen aktuellen Entwurf in den verschiedenen Fachmedien. „Auf 70 Seiten legt der Entwurf dar, wie die Erzeugung und Nutzung von Biomasse in Deutschland nachhaltig werden soll. Der Maßnahmenkatalog dürfte hohe Wellen schlagen.“ schreibt der tagesspiegel.

Kritik von allen Seiten an der Biomassestrategie

Der nun bekannte Entwurf erfährt Kritik von verschiedenen Seiten. Hierbei ist die jeweilige Betrachtungsweise bzw. Zielrichtung entscheidend. Auch bestimmte Themen führen je nach Blickwinkel zu unterschiedlichen Einschätzungen.

  1. Waldholzaufkommen
    Der Fachverband Holzenergie befürchtet, dass Biomasse aus Holz ausgebremst werden soll. Bürokratische Hürden bei der Nutzung von Energieholz, Vorschläge für einen CO2-Preis auf Holz im EU-Emissionshandel und der Vorrang der stofflichen Nutzung würden die Branche verkleinern. Der klimapositive Effekt von Holz als Ersatz von fossilen Energieträgern kommt zu wenig zum Tragen. Er soll sich sogar noch schmälern, wenn Biomasse teilweise nicht mehr als klimaneutral gelten soll und neue Nachhaltigkeitskriterien eingeführt werden sollen.
  2. Biogas
    Der Fachverband Biogas beurteilt den Entwurf der Biomassestrategie in Teilen positiver, da er den Einsatz von Biogas als Flexibilitätsoption zum Ausgleich von Wind und Solar verstärkt nutzen will. Hierzu müssen jedoch die regulatorischen Regelungen zeitnah gefasst werden, da ansonsten für Bestandsanlagen die wirtschaftliche Basis wegbricht. Damit fehlen dann zukünftig die notwendige Backup-Anlagen.
    Erschwerend für die Biogas-Branche kommt hinzu, dass die Anbaubiomasse eingeschränkt werden soll. Der Schwerpunkt wird auf Biomasse aus Abfall- und Reststoffen gelegt, der aber noch Potenzial hat.
  3. Böden als Kohlenstoffsenken
    Böden (und auch Wald) sollen in ihrer Rolle als Kohlenstoffsenken gestärkt werden. Hierzu soll ein erweitertes „umfassendes Monitoring“ dienen. Gleichzeitig könnte dies die Basis für eine verbesserte Honorierung des Klimaschutzbeitrages der land- und forstwirtschaftlichen Betriebe darstellen.

Konkurrenzsituation bei der Biomassestrategie

Die Nutzung von Biomasse im Energiesystem (Klimaschutz durch Vermeidung fossiler Energieträger) konkurriert mit Ernährung („Teller vor Tank“) und mit Flächen (Landnutzung). Dies erfordert eine ausgewogene Strategie angesichts der begrenzten Verfügbarkeit von Biomasse in unserem Land. 


Meinung

Zweifelsohne ist der Konflikt bei der Nutzung von Biomasse für Ernährung und für energetische Nutzung diffizil. Wichtig scheint mir die Priorität bei der Nutzung von biogenen Abfall- und Reststoffen. Hier gibt es noch einiges an Potenzial. So schreibt Prof. Hubert Röder in seiner „KlimaHolz-Studie“ über die Vorteile nachhaltiger Holznutzung für das Klima gegenüber dem Stilllegen von Wäldern.

Was keinesfalls passieren darf, ist, dass eingeschränkte Land- und Forstwirtschaft dazu führt, dass die Landnutzung in anderen Ländern und Kontinenten ausgeweitet wird (Import von Biomasse – Export von Landnutzung). Es hilft wenig, wenn bei uns CO2-Senken in den Böden umgesetzt werden und dafür anderswo CO2-Emissionen durch Landnutzung oder sogar Rodungen von Urwäldern entstehen

.(rm)

Schreibe einen Kommentar